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Posts Tagged ‘Neophyten’

Heute war wieder einer der Arbeitseinsätze im Naturschutzgebiet Dellbrücker Heide. Während wir im Winter dort hauptsächlich Bäume, vor allem die invasive Traubenkirsche, fällen, steht im Sommer die Auseinandersetzung mit einem anderen Neophyten, dem japanischen Staudenknöterich, im Vordergrund.

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In der Literatur heißt es, Staudenknöterich wächst vor allem an feuchten Stellen. Mag sein, er breitet sich aber auch problemlos in der Dellbrücker Heide aus. Die Staude wächst flächendeckend, kann bis zu 3 m hochwerden und die Wurzeln sollen bis zu 2 m in die Erde reichen. In einem geschlossenen Knöterichbestand wächst nichts anderes mehr, die Pflanzen verdrängen sämtliche Konkurrenz.

Ausgraben kann man ihn nicht, es bleiben immer Wurzeln zurück. In der Heide versuchen wir, die Pflanze auszuhungern. D.h. mehrfach im Jahr, drei-, noch besser viermal werden die Triebe abgerissen. Die Rhizome bleiben im Boden und schicken einen neuen Trieb nach oben. Der wird wieder entfernt und so weiter. Irgendwann wird das Rhizom nicht mehr genügend mit den Photosyntheseprodukten (Zucker und Stärke) versorgt und gibt – hoffentlich – auf. Gewisse Erfolge erkennen wir daran, daß an den Stellen, wo der Knöterich schon im letzten Jahr gerupft wurde, nur noch mickrige Neutriebe wachsen.

Ähnlich lästig wie der japanische Staudenknöterich (Fallopia japonica) ist der Sachalin-Staudenknöterich (Fallopia sachalinense). Er unterscheidet sich von dem ersteren durch die größeren, bis zu 25 cm langen Blätter.

Angeblich gibt es auch nicht wuchernde hohe Staudenknöteriche. In einer Gartenzeitschrift fand ich die Art Polygonum polystache erwähnt, die ebenfalls hoch wird und weiß blüht und angeblich nicht wuchert.  Ich wäre da mißtrauisch.  Wer eine hohe, weiß blühende anspruchslose Staude im Garten haben will, könnte es im Schatten mit Waldgeißbart (Aruncus dioicus), oder an halbschattigen Stellen mit der Spierstaude (Filipendula camschactica) versuchen.

Was man sich bedenkenlos in den Garten holen kann, sind die niedrigen Staudenknöteriche. Das sind recht anspruchslose, meist rosa blühende Flächendecker.

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In den Gärtnereien bekommt man meist die Art Bistorta affine.

Übrigens ist die botanische Nomenklatur bei Knöterich enorm verzwickt. früher hießen alle Knöteriche, vom Kletterknöterich über die Stauden- und Wiesenknöteriche schlicht Polygonum.

Dann haben sich die Botaniker der Sache angenommen und die Knöteriche mehrfach umbenannt. Die hohen Staudenknöteriche  hießen zwischendurch mal Reynoutria und heißen jetzt Fallopia.

Die niedrigen Knöteriche heißen meines Wissens zur Zeit Bistorta, hießen auch schon mal Persicaria, das kann sich aber auch wieder ändern.

Der wuchernde Schlingknöterich (bitte nicht an die Hauswand pflanzen!) gehört ebenfalls zur Gattung Fallopia, mit dem Artnamen aubertii.

Ich für mein Teil habe bei dieser Hin- und Herbenennerei resigniert und gebe jetzt einfach die Artnamen so wieder, wie sie in den Katalogen der Gärtnereien stehen. Bis auf den japanischen Staudenknöterich natürlich, ich hoffe doch, daß niemand so wahnsinnig ist, das Zeug zu verkaufen.

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Der Februar neigt sich dem Ende zu. Und damit auch die Baumfällaktionen im Naturschutzgebiet Dellbrücker Heide. Meine Motorsäge und ich waren im Auftrag des BUND mit dabei. Die Gärtnerin hat ja sonst im Winter nichts zu tun. Ehrenamtlich. Naja, gut, fast ehrenamtlich. Das gefällte Holz wurde gerecht unter den beteiligten Kaminbesitzern aufgeteilt. Aber jetzt ist Schluß damit.

Ab März gilt bekanntlich der Vogelschutz, zumindest laut Gesetz beginnt die Brutzeit, d.h. Bäume dürfen nicht mehr gefällt , (größere) Gehölze gerodet und überhaupt keine tiefgreifenden Schnittmaßnahmen mehr durchgeführt werden.

Während der Arbeit wurden wir immer wieder von Passanten angesprochen. Viele wollten wissen, warum wir als Naturschutzorganisation im Naturschutzgebiet Bäume fällen. Eigentlich steckt die Erklärung dazu schon im Namen drin „Dellbrücker Heide„.

Mittlerweile ist Heidelandschaft eine Kulturlandschaft, d.h. wenn sie nicht von Tieren beweidet (oder von Menschen gerodet, von Feuer abgeflämmt…) wird, verbuscht sie  und wird irgendwann zum Wald. Zu einem Traubenkirschen-Robinienwald in unserem Fall, da diese beiden nordamerikanischen Gehölze sich hier an einigen Stellen statt der üblichen Birken und Eichen breitmachen. Bevor der Mensch die großen wildlebenden  Grasfresser wie Wisente, Wildpferde und Auerochsen ausgerottet hat, war Heide noch eine Naturlandschaft.

Manche Passanten tun sich schwer mit dieser Erklärung. Auch der Hinweis darauf, daß sämtliche Rote-Liste-Arten, egal ob Pflanze, Insekt oder Vogel, die sich hier finden, nur und ausschließlich auf den Heide- und Trockenrasenflächen vorkommen,  überzeugt nicht alle.  Bäume fällen ist Naturzerstörung und Punkt, meinen einige. An diesem Punkt breche ich für gewöhnlich die Diskussion ab.   Letzten Samstag ist es mir aber dann doch in einem Fall zu dumm geworden:

Die Dellbrücker Heide liegt eingeklemmt zwischen vier Kölner Stadtteilen und ist mit dem kleinen See in der Mitte ein beliebtes Naherholungsgebiet. Dementsprechend viele Leute gehen hier spazieren. Viele in Begleitung ihrer Hunde, die nicht immer angeleint werden. Einer dieser Hundebesitzer fand unsere Abholzungsaktion ganz furchtbar, war von „Bäume fällen ist Naturzertstörung“  nicht abzubringen und irgendwann war ich an dem Punkt : OK, du hast deine Meinung und ich meine, weitere Debatte zwecklos.

Aber der gute Mann musste noch eins draufsetzen: Er fände es ja auch schlimm, daß wir die ganzen kleinen Trampelpfade mit Reisigwällen zugestopft hätten, da käme man ja gar nicht mehr durch. Währenddessen sprang sein großer, unangeleinter Hund abwechselnd um uns herum oder ging laut bellend auf andere Hunde los. Da platzte mir dann doch der Kragen. Wer im Naturschutzgebiet seinen Hund unangeleint rumlaufen läßt (Leinengebot !) und den Verlust inoffizieller Trampelpfade bedauert (Wegegebot!) ist meiner Meinung nach extrem unglaubwürdig, wenn er sich als „Naturschützer“ aufspielt. Aber jagende Hunde sind ja schließlich auch „Natur“, jedenfalls nach der Meinung dieses Herrn…

Das war dann wirklich das Ende der Debatte.

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In der Dellbrücker Heide blüht der Ginster. Und der Weißdorn. Und der Reiherschnabel. Auf die Wildrosen werden wir noch etwas warten müssen. Die Blüte der verirrten Süßkirsche ist schon durch, die Blüte der Späten Traubenkirsche  beginnt bald. Letztere ist als wuchernder Neophyt hier eigentlich nicht so gerne gesehen, die Blüten sind aber durchaus beliebt bei Insekten.

Für alle, denen diese Stimmungsbilder nicht ausreichen, empfehle ich den Dellbrücker Heidespaziergang am 17.Mai. Dieser findet jeden dritten Donnerstag im Monat von März bis November statt, geht von 17.00 Uhr bis 19.00 Uhr und startet an der S-Bahnhaltestelle Köln-Dellbrück. Veranstalter ist der BUND Köln und nähere Infos dazu gibt es hier.

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Neophyten

Neophyten – nennt man eingewanderte oder besser aus Parks und Gärten ausgewilderte,  über Bahnlinien, Flüssen und Straßen
eingeschleppte Pflanzen.  Die meisten dieser Arten stammen aus ähnlichen Klimazonen in Asien oder (Nord)amerika wie hier in Mitteleuropa und wurden in den letzten paar hundert Jahren als Zier- oder Nutzpflanzen eingeführt.

Ihnen gegenüber gestellt werden die  „einheimische Pflanzen“  Dabei ist „einheimisch“ ein  relativer Begriff, da nach der letzten Eiszeit die meisten Blütenpflanzen in Mitteleuropa erst wieder einwandern mussten, so auch die als „urdeutsch“ geltenden Bäume wie Eiche und Buche.

Wissenschaftler differenzieren hier nochmal nach indigenen Pflanzen, d.h. ohne menschliches Zutun hier vorkommend und  Archäophyten – bis zum Jahre 1500 hier eingeführt; z.B. Walnuß und Kirsche,  die von den Römern über die Alpen gebracht wurden.

Die Pflanzenwelt ist also in einer ständigen Bewegung und Wandlung. Seit etwa 200 Jahren hat sich das Tempo allerdings so
verschärft, daß die Ökosysteme mit der Anpassung an Umweltzerstörung einerseits und ständig neu angesiedelten Pflanzenarten andererseits nicht mehr nachkommen.

In Deutschland haben sich ca. 420 Neophyten dauerhaft etabliert, das sind 16% aller bei uns wachsenden Pflanzenarten. Als dauerhaft etabliert gelten Pflanzen, die sich bei uns spontan, d.h. ohne menschliches Eingreifen vermehren und bereits 2-3 Generationen über mind. 25 Jahren durchlaufen haben. Solche Pflanzen können (müssen aber nicht) zur Gefahr werden.

Von den bekannten Neophyten-Arten haben sich nur etwa 20 (- 30) Arten sich als so problematisch erwiesen, dass gegen sie in größerem Umfang Bekämpfungen eingeleitet oder diskutiert worden sind. Man sollte diese Pflanzen nicht anpflanzen und keine Samen ausreifen lassen.

Im Sommerloch taucht alle Jahre wieder der kaukasische Riesenbärenklau (Heracleum mantegazzianum) auf, eine üppige, bis zu 3,5 m hohe doldenblütige Staude. Bei Berührung löst die Pflanze heftige Hautrektionen aus,  die wie Verbrennungen aussehen und sich auch so anfühlen.  Mit „Gefahr“ meine ich hier allerdings Gefahr, d.h. Verdrängungskonkurrenz für einheimische Pflanzen. In dieser Hinsicht ist der Riesenbärenklau harmlos, da er nur einen mäßigen Ausbreitungsdrang besitzt.

Riesenbärenklau (oben), Indisches Springkraut (unten)

Das hübsche rosablühende indische Springkraut (Impatiens glandulifera), einst eine beliebte Gartenpflanze, ist dagegen ein anderes Kaliber. Es breitet sich massiv an  Bachläufen und Feuchtwiesen aus, und kann mittlerweile die ursprüngliche Vegetation zurückdrängen.

Ebenso invasiv tritt der Staudenknöterich auf. Hiervon gibt es gleich zwei ausgewilderte Arten, Fallopia japonica und Fallopia sachalinense, die flächendeckend so ziemlch überall auftreten können.

Junge Staudenknöterich-Stängel bis etwa zur Kniehöhe sind übrigens eßbar, schmecken leicht säuerlich und lassen sich wie Rhabarber verarbeiten. Trotzdem: bitte nicht im Garten anpflanzen, sondern lieber irgendwo in freier Wildbahn ernten.

Japanischer Staudenknöterich

Kanadische Goldrute (Solidago canadensis) besiedelt mittlerweile viele Trockenwiesen

Auf sandigen Böden, z.B. bei uns in der Dellbrücker Heide sind auch  ausgewilderte Stadtbäume, wie die Robinie (Robinia pseudacacia) problematisch, da sie auf dem trockenen Standorten Konkurrenzvorteile gegenüber der Birke  hat.  Robinien sind Leguminosen wie Erbse oder Bohne, und leben in Symbiose mit Knöllchenbakterien an ihren Wurzeln. Diese Bakterien setzen  Stickstoff frei,  dadurch wird die Bodenzusammensetzung so stark verändert, daß eine vollkommen andere Pflanzengesellschaft entsteht.

Imker sehen Robinien gerne, da die Blüten reichhaltige Bienennahrung bieten. Dadurch entsteht der bekannte „Akazienhonig“.

Empfehlenswertes Buch zum Thema Neophyten und Neozoen: Kegel; Die Ameise als Tramp

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Am 17.12. ist der letzte Entbuschungstermin des BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz) in der Dellbrücker Heide für diese Jahr.  Es darf mal wieder geholzt werden !  Seit  über einem Jahr sind hier in der Monaten von November bis Februar Ehrenamtliche des BUND mit Motorsäge und Astschere unterwegs, um dafür zu sorgen, daß die Heide Heide bleibt und nicht zum Wald wird.

Ein häufiger Baum  hier ist die späte Traubenkirsche (Prunus serotina), ein aus Amerika eingeführtes Ziergehölz, was leider wie so viele andere in die freie Wildbahn entkommen ist und sich prächtig verbreitet.

Die Traubenkirsche wächst als Pionierbaum auf den sensiblen Heide-oder wie auf dem Foto- Trockenrasenflächen und verdrängt dadurch die gefährdeten Wildstauden wie z.B. die Rosenmalve. Der Baum wird vor allem dadurch lästig, daß er nach dem Absägen aus den Wurzeln wieder austreibt, sogenannten Stockausschlag bildet.

Leider ist die Ziegenherde dieses Jahr mit dem Abfressen des Stockausschlags nicht fertig geworden, so daß auch hier von Hand nachgearbeitet werden muß.

Wer Lust dazu hat, bei diesen Arbeiten mitzuhelfen: es wird sich am Samstag, den 17.12. um 10 Uhr morgens an der S-Bahnhaltestelle Dellbrück getroffen.  Weitere Infos gibt´s hier: Dellbrücker Heide

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Puh, angekündigt war es ja schon länger. Aber jetzt macht die Stadt Köln Ernst. Im Naturschutzgebiet Dellbrücker Heide sind die Bagger angerückt. Sämtliche noch vorhandenen Betonfundamente und -pisten des ehemaligen belgischen Militärgeländes werden als Ausgleichsmaßnahme für die Verbreiterung der A3 aufgebrochen und abgerissen. Bis zum ersten März soll aller Beton verschwunden sein.  Ich bin gespannt, ob das klappt.

Dadrunter findet sich dann Sand pur, der seit mindestens sechzig Jahren kein Tageslicht mehr gesehen hat. Ob es wohl noch keimfähige Samen gibt ? Eher wird sich wohl eine bunte Ruderalvegetation ansiedeln, eine Mischung aus den typischen Heide- und Trockenrasenpflanzen und den allgegenwärtigen Neophyten.

Ich will versuchen, im Jahresverlauf Fotos von den sich begrünenden Sandflächen zu machen und diese dann hier einstellen.

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