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Archive for November 2011

Wozu botanische Pflanzennamen ?

… fragt sich so mancher Hobbygärtner und auch so mancher geplagte Gärtnerlehrling. Aus meiner eigenen Ausbildung sind mir noch so wundervolle Kreationen wie Chamaecyparis pisifera „Filifera Aurea Nana“, zu Deutsch gelbe zwergwüchsige Faden-Scheinzypresse geläufig. Was wir damals mühsam, wie Fremdsprachenvokabeln, auswendig lernen mußten, macht durchaus Sinn. Botanische Pflanzennamen sind  (ebenso wie die zoologischen Tiernamen) international gültig und absolut eindeutig.

Deutsche Namen können mißverständlich und regional unterschiedlich sein. Typisch hierfür sind z.B. Heidelbeere und Blaubeere. Umgangssprachlich werden beide Namen gleichgesetzt. Botanisch gibt es zwei verschiedene Heidel- bzw. Blaubeerarten: die Wildform Vaccinium myrtillus und die Kulturheidelbeere Vaccinium corymbosum, die deutlich höher wächst.

Mindestens drei verschiedene Stauden laufen unter dem Namen Lilie.  Die Schwertlilien (botanisch: Iris), die Taglilien (botanisch: Hemerocallis) und die Echten Lilien (botanisch: Lilium). Nachvollziehbar ist das nicht, denn diese Stauden haben nicht viel gemeinsam.  Dasselbe gilt für den Echten Flieder (botanisch: Syringa) und den Sommerflieder (botanisch: Buddleia). Sie sind nicht miteinander verwandt. In alten Pflanzenbüchern findet man auch noch den schwarzen Holunder (botanisch: Sambucus nigra) unter dem Begriff Fliederbeerenstrauch. Hier sorgen botanische Namen für die nötige Abgrenzung und definieren Verwandschaften.

Grundsätzlich bestehen botanische Namen aus zwei Wörtern. Das erste Wort, nehmen wir mal Sambucus, also den Holunder, definiert die Pflanzengattung. Das zweite Wort, nigra (wird übrigens immer klein geschrieben !) definiert die Pflanzenart, den schwarzen Holunder. Als „Art“ werden Pflanzen bezeichnet, die sich unter normalen Umständen (also ohne daß ein Züchter nachhilft) nur untereinander kreuzen lassen und die Sämlinge den Mutterpflanzen gleichen. Folgt dann noch ein dritter Name, steht dieser in Anführungszeichen und bezeichnet eine Sorte. Sorten sind züchterisch bearbeitete Arten. Beim Schwarzen Holunder gibt es z.B. die Sorte Sambucus nigra „Haschberg“, ein Holunder mit besonders großen und saftigen Früchten.

Im gärtnerischen oder landwirtschaftlichen Bereich tauchen nun etliche Arthybriden auf. Das sind miteinander gekreuzte und gezüchtete Arten, bei denen die Nachkommen sehr unterschiedlich ausfallen können. Manchmal sind sie auch komplett steril.  Diese Hybridpflanzen haben ein X zwischen Gattungs- und Artnamen, z.B. Geranium x cantabrigense, eine Storchschnabelart, die aus der Kreuzung zweier anderer Storchschnabelarten hervorgegangen ist. Oder, wie bei vielen Gartenrosen, wenn überhaupt nicht mehr nachvollziehbar ist, welche und wieviele Arten im Spiel sind, läßt man den Artnamen komplett weg. Da heißt es dann nur noch Rosa „Schneewittchen“ oder Rosa „Charles Austin“.

Botanische Namen sind nicht immer lateinisch. Wer Latein kann, ist zwar im Vorteil, weil er sich unser Anfangsbeispiel, die langnamige Scheinzypresse übersetzen kann (filifera=fadenförmig, aurea=gelb, nana=zwergförmig). Manche Namen stammen auch aus dem Griechischen (Philodendron=Baumfreund) oder Pflanzen sind nach Entdeckern oder Züchtern benannt, wie die bekannte Astilbe x arendsii nach dem Staudenzüchter Arends.

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So, nach den ersten Frösten hat sich selbst der dauerblühende Storchschnabel „Rozanne“ verabschiedet. Zeit, mal ein paar Fotos rauszusuchen und sich auf das nächste Gartenjahr zu freuen. Storchschnäbel (botanisch: Geranium) gibt es für so ziemlich jede Gartensituation und in vielen Farben, außer Gelb, Orange und leuchtendem Rot. Sie sind mit der klassischen Geranie weitläufig verwandt (diese heißt allerdings botanisch Pelargonium), im Gegensatz dazu allerdings völlig winterhart.

Hier wächst Geranium „Rozanne“ im halbschattigen Vorgarten. Kein ganz optimaler Standort, volle Sonne wäre besser, aber auch so deckt eine Pflanze locker einen Quadratmeter ab und sieht klasse zu Rosen aus. Je humoser der Boden ist, um so üppiger wird die Pflanze.

Oben die „Rozanne“ nochmal in Nahaufnahme. Man kann sie leicht mit Geranium „Johnsons Blue“  (unten) verwechseln,

aber „Johnsons Blue“ hat etwas kleinere Blüten, die ganze Pflanze macht sich nicht so breit und vor allem ist die Blütezeit deutlich kürzer.  Da er etwas früher blüht als „Rozanne“, kann man ihn z.B. toll mit dem im Mai blühenden Blauregen (Wisteria sinensis) kombinieren.

Ebenfalls blau blühen die verschiedenen Sorten des Wiesenstorchschnabels (Geranium pratense). Wild wächst er auf feuchten und und nicht allzu überdüngten Wiesen. Der Wiesenstorchschnabel wird recht hoch, ca. 50-70 cm, neigt aber dazu, auseinander zu fallen. In meinem Garten habe ich eine englische Sorte, Geranium pratense „Mrs. Kendall Clarke“ mit fein geäderten, hellblauen Blüten, die fast durchsichtig wirken.

Und noch ein blauer, oder eher blauvioletter Storchschnabel, Geranium magnificum. Besonders lange blüht die Sorte „Rosemoor“. Ich habe ihn hier zusammen mit dem knallpinken Armenischen Storchschnabel, Geranium psilostemon, gepflanzt.

Geranium magnificum ist meiner Erfahrung nach anspruchslos, wächst in der Sonne ebenso wie im Halbschatten. Im Unterschied zu Geranium psilostemon, der im Halbschatten mickrig bleibt.  Der Boden sollte bei beiden humos und nicht zu trocken sein.

Hier der ehrlich allerletzte blaue Storchschnabel,  der selten erhältliche Knollenstorchschnabel (Geranium tuberosum).

Knollenstorchschnabel blüht sehr früh, schon ab April, zieht allerdings im Sommer ein. Man kann ihn gút in den Halbschatten neben Stauden setzen, die sich später im Jahr üppig ausbreiten.

Ein hübscher weißer Storchschnabel ist Geranium clarkei „Kashmirs white“. In der Literatur gilt er als empfindlich und anspruchsvoll.  In dem Lehmboden meines früheren Gartens gedieh er prächtig in voller Sonne.

Der Umzug in den Dellbrücker Sandboden hat ihm leider den Garaus gemacht.  Sand und Sonne lieben dafür andere Storchschnäbel: Geranium cinereum, auf dem Foto die Sorte „Ballerina“ in rosa-gestreift  und Geranium renardii, lila-gestreift.

Lila-gestreift ist auch Geranium oxonianum „Versicolor“.

Von Geranium oxonianum gibt es unzählige Sorten, die meisten in Rosa. Zusammen mit dem Dalmatiner-Storchschnabel (Geranium macrorhizum)  ist es wohl die am häufigsten verwendete bodendeckende Storchschnabel-Art. Den Dalmatiner-Storchschnabel kann ich persönlich nicht leiden, da er sehr intensiv und wie ich finde, unangenehm riecht. Deswegen habe ich ihn nicht in meinem Garten.

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Am besten sollte ich erstmal ein paar Begriffe klären. Meistens sind mit „Kübelpflanzen“ diejenigen Stauden oder Gehölze gemeint, die in irgendwelchen Gefäßen auf Balkon oder Terrasse wachsen, prinzipiell mehrjährig sind, aber dabei mehr oder weniger frostempfindlich.

Man kann natürlich – in Ermangelung eines Gartens – auf Balkon oder Terrasse auch allerlei winterharte Gartenpflanzen im Kübel ziehen. Je nach Kübelgröße kann das dann so ziemlich alles sein, vom Gänseblümchen bis zum Obstbaum. Bei diesen Pflanzen, insbesondere den Immergrünen,  braucht man im Winter nur darauf achten, daß sie nicht austrocknen. Also an frostfreien Tagen hin und wieder gießen. Rosen brauchen etwas mehr Fürsorge, auch wenn sie eigentlich frosthart sind. Obenrum darf es ein leichter Winterschutz aus z.B. Fichtenzweigen sein, untenrum sollte man den Kübel einpacken, daß er nicht durchfriert.

Winterhärte ist ein relativer Begriff. Vorsicht ist z.B. bei der Einschätzung englischer Pflanzenbücher geboten. Was da als „winterhart“ (engl. „hardy“) bezeichnet wird, überlebt einen deutschen Winter nur, wen er sehr mild ausfällt. Hilfreich zur Bestimmung der Winterhärte der eigenen Kübelpflanzen ist die „Winterhärtezone“. In Pflanzenkatalogen wird immer angegeben, bis zu welcher Winterhärtezone die jeweilige Pflanze noch im Freien überleben kann. Sie wird durch die niedrigste jährliche Wintertemperatur bestimmt, die als Durchschnitt über mehrere Jahre ermittelt wurde.

Stadtregionen sind in der Regel einige Grade wärmer als die ländliche Umgebung. So lassen sich in windgeschützen Winkeln und in Südlagen oft noch Pflanzen im Garten ziehen, die für die jeweilige Klimazone eigentlich schon zu empfindlich sind. Typisch hierfür sind im Kölner Raum z.B. Mittelmeerschneeball, Rosmarin, und einige Kameliensorten. In lockerem, sandig-humosen Boden überstehen sie den  Winter besser als in schwerem Lehmboden, wo sich gefrierende Staunässe bilden kann.

Zusätzlicher Winterschutz erhöht die Überlebenschancen der Pflanzen. Abdecken der Wurzelregion mit Fichtenreisern oder einer dicken Laubschicht, weißer Stammanstrich bei Obstbäumen, Einpacken empfindlicherer Gewächse in Schilfmatten… kann bei Kahlfrost, wenn es keine schützende Schneedecke gibt, sehr hilfreich sein.

 Ausgesprochene Mittelmeerpflanzen wie Oleander, Zistrose, Hanfpalme oder Ölbaum vertragen zwar leichte Minusgrade. Wer aber kein wirklich geschütztes Plätzchen in einem innerstädtischen Garten hat, sollte diese Pflanzen lieber im Kübel belassen. Wenn man die Kübel dann im Winter auf eine Styroporplatte stellt, mit Noppenfolie umwickelt und für die Pflanze selbst Schilfmatten bereithält, kann sie, solange die Temperaturen nicht unter -10 Grad gehen, ruhig draußen stehen lassen. In Notfallsituationen, wenn wirklich starker, lang anhaltender Frost angesagt ist, müssen die Pflanzen dann doch ins Haus gebracht werden. Aber bitte nur dann, und sobald es milder wird, wieder raus.

Die meisten Mittelmeerpflanzen können mit leichten Frostschäden besser umgehen als man denkt. Sie treiben im Frühjahr nach einem leichten Rückschnitt wieder aus. Für alle, die keinen hellen, kühlen (5-15 Grad) Raum zum Überwintern haben, ist diese Methode  die bessere Alternative, als die Pflanzen monatelang  in Keller oder Garage zu lassen, wo es meist zu dunkel und zu warm ist.

Das alles gilt nicht für Kübelpflanzen, die aus subtropischen oder gar tropischen Regionen stammen ! Hierfür braucht man ein beheizbares Winterquartier.

An frostfreien Tagen darf man das Wässern nicht vergessen. Viele immergrüne Kübelpflanzen erfrieren im Winter nicht, wie ihre Besitzer glauben, sondern vertrocknen.

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