Neophyten – nennt man eingewanderte oder besser aus Parks und Gärten ausgewilderte, über Bahnlinien, Flüssen und Straßen
eingeschleppte Pflanzen. Die meisten dieser Arten stammen aus ähnlichen Klimazonen in Asien oder (Nord)amerika wie hier in Mitteleuropa und wurden in den letzten paar hundert Jahren als Zier- oder Nutzpflanzen eingeführt.
Ihnen gegenüber gestellt werden die “einheimische Pflanzen” Dabei ist „einheimisch“ ein relativer Begriff, da nach der letzten Eiszeit die meisten Blütenpflanzen in Mitteleuropa erst wieder einwandern mussten, so auch die als „urdeutsch“ geltenden Bäume wie Eiche und Buche.
Wissenschaftler differenzieren hier nochmal nach indigenen Pflanzen, d.h. ohne menschliches Zutun hier vorkommend und Archäophyten – bis zum Jahre 1500 hier eingeführt; z.B. Walnuß und Kirsche, die von den Römern über die Alpen gebracht wurden.
Die Pflanzenwelt ist also in einer ständigen Bewegung und Wandlung. Seit etwa 200 Jahren hat sich das Tempo allerdings so
verschärft, daß die Ökosysteme mit der Anpassung an Umweltzerstörung einerseits und ständig neu angesiedelten Pflanzenarten andererseits nicht mehr nachkommen.
In Deutschland haben sich ca. 420 Neophyten dauerhaft etabliert, das sind 16% aller bei uns wachsenden Pflanzenarten. Als dauerhaft etabliert gelten Pflanzen, die sich bei uns spontan, d.h. ohne menschliches Eingreifen vermehren und bereits 2-3 Generationen über mind. 25 Jahren durchlaufen haben. Solche Pflanzen können (müssen aber nicht) zur Gefahr werden.
Von den bekannten Neophyten-Arten haben sich nur etwa 20 (- 30) Arten sich als so problematisch erwiesen, dass gegen sie in größerem Umfang Bekämpfungen eingeleitet oder diskutiert worden sind. Man sollte diese Pflanzen nicht anpflanzen und keine Samen ausreifen lassen.
Im Sommerloch taucht alle Jahre wieder der kaukasische Riesenbärenklau (Heracleum mantegazzianum) auf, eine üppige, bis zu 3,5 m hohe doldenblütige Staude. Bei Berührung löst die Pflanze heftige Hautrektionen aus, die wie Verbrennungen aussehen und sich auch so anfühlen. Mit “Gefahr” meine ich hier allerdings Gefahr, d.h. Verdrängungskonkurrenz für einheimische Pflanzen. In dieser Hinsicht ist der Riesenbärenklau harmlos, da er nur einen mäßigen Ausbreitungsdrang besitzt.
Riesenbärenklau (oben), Indisches Springkraut (unten)
Das hübsche rosablühende indische Springkraut (Impatiens glandulifera), einst eine beliebte Gartenpflanze, ist dagegen ein anderes Kaliber. Es breitet sich massiv an Bachläufen und Feuchtwiesen aus, und kann mittlerweile die ursprüngliche Vegetation zurückdrängen.
Ebenso invasiv tritt der Staudenknöterich auf. Hiervon gibt es gleich zwei ausgewilderte Arten, Fallopia japonica und Fallopia sachalinense, die flächendeckend so ziemlch überall auftreten können.
Junge Staudenknöterich-Stängel bis etwa zur Kniehöhe sind übrigens eßbar, schmecken leicht säuerlich und lassen sich wie Rhabarber verarbeiten. Trotzdem: bitte nicht im Garten anpflanzen, sondern lieber irgendwo in freier Wildbahn ernten.
Japanischer Staudenknöterich
Kanadische Goldrute (Solidago canadensis) besiedelt mittlerweile viele Trockenwiesen
Auf sandigen Böden, z.B. bei uns in der Dellbrücker Heide sind auch ausgewilderte Stadtbäume, wie die Robinie (Robinia pseudacacia) problematisch, da sie auf dem trockenen Standorten Konkurrenzvorteile gegenüber der Birke hat. Robinien sind Leguminosen wie Erbse oder Bohne, und leben in Symbiose mit Knöllchenbakterien an ihren Wurzeln. Diese Bakterien setzen Stickstoff frei, dadurch wird die Bodenzusammensetzung so stark verändert, daß eine vollkommen andere Pflanzengesellschaft entsteht.
Imker sehen Robinien gerne, da die Blüten reichhaltige Bienennahrung bieten. Dadurch entsteht der bekannte “Akazienhonig”.
Empfehlenswertes Buch zum Thema Neophyten und Neozoen: Kegel; Die Ameise als Tramp